Katharina Körting | 31.08.2016

Die jüdisch-evangelische Wanderausstellung zeigt auf wunde Punkte.

Die Stadtkirche in Bad Schmiedeberg zeigt vom 1. bis zum 30. September 2016 die Ausstellung "Martin Luther und das Judentum - Rückblick und Aufbruch". Eine gemeinsame Arbeitsgruppe der EKBO und des jüdischen Touro-College Berlin hat die 16 Schautafeln erarbeitet, die eindrücklich über die antijüdische Tendenzen Martin Luthers und die über Jahrhunderte währende antijüdische Einstellung der protestantischen Kirchen informiert.

"Ein schwieriges Erbe"

"Martin Luther hat ein schwieriges Erbe hinterlassen", betont Bernd Krebs, Reformationsbeauftragter der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-Schlesische Oberlausitz (EKBO), die die Ausstellung mitfinanziert hat. Weitere Geldgeberinnen waren die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) und die Axel Springer Stiftung. Zu Beginn der Reformation habe Luther dafür plädiert, die Juden anständig zu behandeln - "später hat er sie unerträglich geschmäht" und zur Gewalt gegen sie aufgerufen. In seinen Schriften stelle der Reformator alles Helle auf die Seite des Christentums - "und alles Dunkel auf die jüdische Seite".

Diese einseitige und antijüdische Wahrnehmung ist auf vielen Werken gerade Lucas Cranachs bildlich dargestellt. Auch diese "Propaganda" trug zur negativen Sicht auf das Judentum bei, die über Jahrhunderte ihr Gift wirken lassen konnte. Dabei haben Christinnen und Christen ignoriert, dass Jesus Christus selbst Jude war und nie etwas anderes sein wollte. Das "Gesetz" als Grundprinzip der alttestamentlichen Ethik und Religion stellte Jesus als solches nicht in Frage: "Ihr sollt nicht meinen, dass ich gekommen bin, das Gesetz oder die Propheten aufzulösen", heißt es etwa in der Bergpredigt (Mt 5,17f.). "Bis Himmel und Erde vergehen, wird nicht vergehen der kleinste Buchstabe noch ein Tüpfelchen vom Gesetz, bis es alles geschieht."

Die Hass-Ausbrüche des alten Luther

Martin Luther hat jedoch vor allem in seinen letzten Lebensjahren nicht nur als Theologe antijüdisch argumentiert, sondern auch offen gegen Juden gehetzt - mit unmissverständlichen, hasserfüllten Worten.

Erst nach dem massenhaften Mord an Juden während des so genannten Dritten Reichs begannen die evangelischen Kirchen, sich ihrer Verantwortung für Antijudaismus und Antisemitismus zu stellen. Die Ausstellung "Luther und das Judentum - Rückblick und Aufbruch und  -  ist Teil der notwendigen Auseinandersetzung mit der eigenen Schuld.

Die Wanderausstellung wurde zuerst 2015 in der Berliner Sophienkirche gezeigt - und soll auch auf dem Kirchentag vom 24. Bis 28. Mai 2017 dort wieder zu sehen sein. Bis 30. November 2017 kann die Wanderausstellung auch von anderen Gemeinden ausgeliehen werden. Informationen dazu gibt es hier.

Der Eintritt in der Kirche Bad Schmiedeberg, Kirchstraße 4, 06905 Bad Schmiedeberg, ist frei. Einzelne Lesungen sind in Vorbereitung.
Öffnungszeiten sind 1.-30.09.2016 täglich außer Montag und Mittwoch von 10 bis 12 und 15 bis 17 Uhr oder nach Vereinbarung mit dem Pfarramt Bad Schmiedeberg: 034925-70282.
Email: Bad-Schmiedeberg@kirchenkreiswittenberg.de



Veranstaltungskalender
Losung vom 23.09.2017
Was ist der Mensch, dass du seiner gedenkst, und des Menschen Kind, dass du dich seiner annimmst? In seiner Liebe hat er uns dazu vorherbestimmt, seine Kinder zu sein durch Jesus Christus nach dem Wohlgefallen seines Willens, zum Lob seiner herrlichen Gnade.
Psalm 8,5 Epheser 1,4-6

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