In lockerer Folge mit Blick auf die zum 1. April 2017 erscheinende Publikation zum Schreibwettbewerb sola scriptura 2017 sind hier einige ausgewählte Beiträge von sola scriptura 2017 zu lesen. Das Buch kann zum Herstellungspreis für 12 Euro Schutzgebühr zzgl. Versandkosten bestellt werden beim Ev. Kirchenkreis Wittenberg, Jüdenstraße 35-37, Tel 03491 40 32 00, Fax 03491 40 32 05, Mail Ev.KirchenkreisWittenberg@t-online.de.

Katharina Körting | 07.03.2017

Hans-Georg Wigge präsentiert einen wertvollen Protagonisten.

So bin ich


Im Anfang war das Wort, und das Wort war Gott.
Und Gott schuf "So bin ich".
Er schaute auf ihn und er gefiel ihm sehr gut, denn er war ein besonderes
Blümlein Gottes.
Die Menschen hefteten ihm das Etikett Down-Syndrom an.
In der Gemeinde, die "So bin ich" besuchte, beschäftigten sich die Mitglieder
mit den gleichen Problemen wie viele christliche Gemeinschaften.
Woher sollte das Geld für die Restaurierung des Daches kommen?
Warum kamen immer weniger Menschen zu den Gottesdiensten?
Wie konnte die Jugend wieder empfänglich für die Botschaft von Jesus
werden?
Aus welchen Gründen kehrten viele der Kirche ganz den Rücken?
Wo waren die Gläubigen, die Bereitschaft zeigten, Verantwortung zu
übernehmen und zu dienen?
"So bin ich" hingegen war einer jener, die glaubten wie ein Kind.
Manchmal ergriff er zur Überraschung aller zum Ende der Messe das
Wort und ließ seine Schwestern und Brüder ohne Falsch an seinem
Leben teilnehmen. Er erzählte von seiner Liebe zu Jesus. Er weinte, wenn
er traurig war. Er lachte, wenn er etwas Lustiges erzählte und pries Gott,
wenn ihn das Glück übermannte.
Im Alltag verstand er manches nicht so schnell. Manches verstand er
gar nicht.
Sehr vieles aber verstand er besser - mit dem Herz.
Frohgemut stellte er sich den Aufgaben, die ihn nicht überforderten.
Lobte ihn jemand, erwiderte er mit breitem Grinsen und ungeheuchelter
Freude: "So bin ich".
Er war langsamer in seinen Aktionen, denn seine Zeit war immer da
und passte nicht in Messgeräte. "So bin ich" merkte, wenn die Menschen,
die unsicher gegenüber seinem fremden Aussehen waren, ihn anstarrten.
Schenkte man ihm Mitleid, verweigerte er die Annahme, denn der Sinn
des Geschenks erschloss sich ihm nicht.
"So bin ich" erschütterte mit seiner Ehrlichkeit und seiner Authentizität
die Wertvorstellungen der Masken tragenden Gesellschaft, doch er besaß
alles, was Gott den in Wahrheit Lebenden mitgibt. Nicht erstrebenswert
fand "So bin ich" Karriere, Macht, Ruhm und Reichtum.
Deshalb fanden es viele Menschen unmöglich, dass Geschwister wie er
"in der heutigen Zeit mit ihren Möglichkeiten" das Licht der Welt einer
Leistungsgesellschaft erblickten.
Doch in ihm war das Leben, und das Leben war das Licht der Menschen.
Und das Licht scheint in der Finsternis und die Finsternis hat es nicht
erfasst (Johannes 1, 4-5).
"So bin ich" entsprach nicht der langweiligen Norm. Er war anders
begabt. Vor Gerichten versuchte man gelegentlich, seinesgleichen als
Schadensfall zu definieren, da der das Wachsen im Mutterleib begleitende
Arzt die Besonderheit nicht erkannte und ungewollt ein Leben rettete.
Oft aber fand "So bin ich" Verständnis bei "So wurde ich".
Lag das Ausgrenzen von "So bin ich" daran, dass die großen "So sind
sie" den kleinen "So werden sie" immer weniger das wahre Menschsein
nach Gottes Plan und seiner Schrift lehren?
"So bin ich" fühlte sich wertvoll, von Gott geliebt. Ohne Wenn und Aber.
Eines Tages wird eine kälter werdende Welt den Namen von "So bin ich"
vergessen haben.
Nur in Gottes Buch des Lebens, da steht er:
Unauslöschlich.
Fettgedruckt.


Normal021falsefalsefalseDEX-NONEX-NONEHans-Georg Wigge: *1958, verheiratet, drei Kinder, eine Enkelin; wohnt in Ostenland (NRW), arbeitet als Fahrdienstleiter und Hobbyautor mit vielen Veröffentlichungen in Anthologien. www.was-ein-kind-braucht.jimdo.com.
"Ich habe bei sola scriptura 2017 mitgeschrieben, weil die Feierlichkeiten zum 500. Jahrestag der Reformation eine großartige Gelegenheit bieten, in Schrift und Wort die Heilsbotschaft der Gottes- und Nächstenliebe in den Fokus einer kälter werdenden Gesellschaft zu rücken."



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