In lockerer Folge mit Blick auf die zum 1. April 2017 erscheinende Publikation zum Schreibwettbewerb sola scriptura 2017 sind hier einige ausgewählte Beiträge von sola scriptura 2017 zu lesen. Das Buch kann zum Herstellungspreis für 12 Euro Schutzgebühr zzgl. Versandkosten bestellt werden beim Ev. Kirchenkreis Wittenberg, Jüdenstraße 35-37, Tel 03491 40 32 00, Fax 03491 40 32 05, Mail Ev.KirchenkreisWittenberg@t-online.de.

Katharina Körting | 07.03.2017

Die Schülerin Sally Isabel Strauchmann rechnet ab.

Der Welten Ablassbrief


Liebe Weltenbürger,
ihr, die ihr behauptet, die Vernunft mache euch einzigartig. Ihr, die ihr euch als auserwählt erachtet, diesen Planeten zu eurem zu machen. Ich habe euch lange dabei zu gesehen. Die Welt, sie trägt sicherlich euer Gesicht, ist genauso wie ihr von Junk Food und Textilrausch gezeichnet, mit Druckstellen übersät und, wie ihr, auch alt geworden. Sie ist verlebt und faltig, raucht zu viel und isst zu fettig. Wie ihr. Ihr nehmt euch, was ihr braucht, wann ihr es braucht. Verluste gehören zum Tagesgeschäft und sind schon längst kein Grund zur Sorge mehr, seid ihr doch eine Plage, die unvernichtbar ist.
Tsunamis, Erdbeben und Dürre scheinen euch nie genug Nervenkitzel,der euch zwischen der ganzen Sicherheit der Matheformel Leben den Adrenalinstoß gibt. Todesmutig verfasst ihr  Formeln und Gesetze, mischt zusammen, was nicht zusammen gehört in der Hoffnung, jemand würde auf eure Achterbahn aufsteigen. Müsst ihr doch immer höher, immer schneller, immer  weiter. Nun haben wir Atombomben, an deren Knöpfen die falschen Köpfe sitzen und Köpfe ohne Gesichter, die sich hinter Wissenschaft und Erfolg verstecken. Wer seid ihr Menschen?  Hebt euren Blick und seht mich an. Liebe Weltenbürger, kommt, erklärt mir, wie es dazu kam. Tränen strömen über eure Gesichter, kehrt der Bumerang zu euch zurück. Qualen erfassen euch. Mitleid führt dazu, dass ihr kurz eure Chemiefikalien auf dem Teller liegen lasst und auf  den Bildschirm starrt. Es bewegt euch kurz, wie ein Blatt im Wind. Selten dauert jener Luftstoß auch einen ganzen Herbst lang an. Doch oft nur bis zur nächsten Sensationswolke.
Menschlich wollt ihr sein, humanistisch, wie ihr es nennt. Ganz gewiss seid ihr Menschen, doch keineswegs die, als die ihr euch beschreibt. Den Nächsten, der euch bei der letzten Demonstration geschlagen, der euch die Frau geklaut, der euch die Hoffnung genommen, wollt ihr lieben. Ihr wolltet alle frei fliegen, wie Vögel im goldenen Käfig. Zudem wollen alle gleich sein in ihrem Individualismus. Wenigstens das habt ihr geschafft. Von hier oben seid ihr nicht viel mehr als ihr je wolltet, farblos, figurlos, ohne Stimme, ohne Verstand. Von hier oben seid ihr nicht mehr als ihr letztendlich sein werdet. Euer Erfolg, euer Jagen und Hetzen, Suchen,
Lechzen, Zerfressen und Messen. Hier oben seid ihr nicht mehr das, was ihr vorgebt zu sein.
Leistungsgesellschaft nennt ihr es? Erklärt es mir! Eine Leistungsgesellschaft, deren Großteil verhungert, während die anderen am 20. Gang ersticken, ihr Leid mit Diabetes und Bluthochdruck beklagen. Während ihr mit Diäten und Fastenkuren kämpft, denkt Afrika an die Lebensmittel die in euren Mülleimern verschwinden. Euch schmelzen die Polkappen weg, die Tiere, die euch so entzücken, lasst ihr verrecken, sperrt die letzten Exemplare als Exoten in enge Käfige, nehmt ihnen das, was für euch so selbstverständlich ist, Leben.
Eure erfundene Währung zählt für euch mehr als der Glaube an euch selbst. Gebetet wird an dogmatischen Trauer-Feier-Tagen immer seltener, dafür vor Börsencrashs und Kriegsangriffen. Ihr fragt euch immer früher, wer ihr seid und erkennt immer später, wer aus euch geworden.
Ihr lest brav in euren Büchern und philosophiert über das Böse, über Kriege und Fehler. Jeder ist dagegen, jeder ist schockiert, doch nur, bis er das nächste Kreuz im Wahllokal zu setzen hat. Dann ist es immer etwas anderes.
Wacht auf ihr Menschen! Ich wache nicht länger über euch.


Sally Isabel Strauchmann: *2000, aufgewachsen in Halberstadt (Sachsen-Anhalt), ist Schülerin der elften Klasse eines Gymnasiums. Sie hat ein ganzes Fass an Träumen und eckt gern mit ihrer Meinung an. Seit der 3. Klasse schreibt sie Geschichten.
"Bei sola scriptura 2017 habe ich teilgenommen, um eine Abrechnung mit uns Menschen zu schreiben, einen Brief, der die Menschen zwingt, endlich Verantwortung zu übernehmen."

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